Herzlich willkommen an die neuen Mitglieder der Galileo-Satelliten-Familie

05.12.2021

Mit dem Start der nächsten Galileo-Satelliten übernahm die DLR GfR erstmals die Kontrolle über LEOP die Launch and Early Orbit Phase

Da steht dieses Wort, auf Seite 69 des Hand-Outs für das Flight Control Team: LEOP. Und tatsächlich, rund vier Stunden nach dem Start um 1:19 Uhr MEZ am 5. Dezember 2021 lösten sich die beiden neuen Galileo-Satelliten, GSAT0223 und GSAT0224 von der Trägerrakete und gaben dem Team der DLR GfR den Startschuss für die LEOP Aktivitäten. Ein Novum in der Geschichte des Galileo Control Centers in Oberpfaffenhofen. Spaceopal, der Galileo Service Operator, der von der European Union Agency for Space Programme (EUSPA) mit dem Betrieb und der Wartung des europäischen Satellitennavigationssystems beauftragt wurde, steuert die bis dato 26 Satelliten des europäischen Satellitennavigationsprogrammes Galileo.

 

Als „Launch-and-Early-Orbit-Phase“ (LEOP) wird eine hochsensible Zeitspanne nach der Separation der Satelliten von der Soyuz Trägerrakete bezeichnet, die insgesamt etwa sieben bis acht Tage dauert. „Ein LEOP ist ein sehr spezieller und einzigartiger Meilenstein in einem Kontrollzentrum. Die Ingenieure und Betriebsteams haben sich bis zu zwei Jahre vorbereitet, um für diesen Augenblick perfekt vorbereitet zu sein. Es steckt sehr viel Herzblut und Emotionen in jedem LEOP und deswegen ist es für uns ein absolutes Highlight, auf das wir uns freuen“, sagt Rolf Kozlowski, Geschäftsführer der DLR GfR. Die beiden Satelliten, die vergangene Nacht um 1:19 Uhr MEZ mit einer Soyuz-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana ins All gestartet sind, tragen die Nummer 27 und 28 in der Galileo-Familie.

 

André Bauerhin, Chief Operating Officer von Spaceopal, unterstreicht: „Im Zusammenhang mit dem Start 11 und den damit verbundenen LEOP-Aktivitäten können Spaceopal und sein industrielles Team auf fünf sehr erfolgreiche Jahre als Galileo Service Operator zurückblicken, in denen sie ehrgeizige Serviceverpflichtungen gegenüber EUSPA zum Vorteil aller Nutzer des Navigationssystems eingegangen sind. Die Ermöglichung und Durchführung der LEOPs vom Galileo-Kontrollzentrum aus war einer der Eckpfeiler zur Erhöhung der Betriebssicherheit des Galileo-Systems, die nun erreicht wurde. Wir freuen uns auf die nächsten Jahre, um neue Innovationen mit Servicegarantien und -verpflichtungen für Europa auf den Weg zu bringen. Es ist mir eine Ehre, das Industrieteam zu leiten, das eine hervorragende Arbeit geleistet hat, um diesen Meilenstein zu erreichen.“

 

Pascal Claudel, EUSPA Operating Officer, ließ keinen Zweifel: „Heute können wir mit Stolz einen weiteren Meilenstein feiern. Er ist das Ergebnis intensiver Arbeit aller Beteiligten des Programms! Wir sind wirklich ein EU-Team, das ein globales System zum Vorteil der User auf der ganzen Welt verwaltet.“

 

In den letzten Monaten wurden auch mehrere Mitglieder des DLR GfR-Flugkontrollteams mit der vollen Unterstützung von Spaceopal speziell für diese neue Aufgabe geschult.

 

Erste wichtige Schritte wurden in den letzten Stunden bereits geschafft. Die Satelliten wurden vom Launcher planmäßig ausgesetzt und ihre Bordsysteme haben sich eigenständig eingeschaltet. Dieses erste Lebenszeichen eines Satelliten ist von enormer Bedeutung: Es zeigt dem Team am Boden, dass Kontakt besteht und Telemetrie-Daten übermittelt werden können. Auch wird dadurch signalisiert, dass die mit der Abtrennung automatisch gestarteten Prozesse wie das Ausfahren der energiespendenden Solarpanels funktionieren. Am Boden registriert das Flight Control Team, verstärkt durch Expertinnen und Experten der ESA und des Satellitenherstellers OHB, jedes Lebenszeichen.

 

Diese erste kritische Initiierungsphase dauert etwa eine Stunde. Danach sollten die Satelliten funktionstüchtig sein, das heißt: Die Lage zur Sonne ist stabil, die Solarpanele sind komplett ausgefahren und die Wärmeregelung funktioniert. Die Funktionalität der Solarpanels und die Lageregelung sind die wichtigsten Fixpunkte. Aber jedes einzelne Subsystem wird genau auf seine Funktionalität hin analysiert. Temperaturkontrolle, Software-Check, Power-Check – in dieser Phase herrscht im Schichtbetrieb im Galileo Kontrollzentrum höchste Konzentration.

 

Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden Satelliten bereits den größten Teil ihrer Reise zurückgelegt, um ihre endgültige Umlaufbahn zu erreichen. Nun erfolgt der Startschuss für die Driftmanöver.

 

Mit den neuen Satelliten besteht die Galileo Familie nun aus 28 Mitgliedern, die von diesem Zeitpunkt an vom Galileo Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen überwacht werden. Für EUSPA und das Industrieteam bestehend aus Spaceopal, Telespazio und DLR GfR heißt das: Ab jetzt gilt die ganze Konzentration den nächsten beiden Neuzugängen. Denn schon im Frühjahr 2022 steht ein weiterer Galileo Satelliten-Start an.

 

Über Galileo

Galileo ist das derzeit präziseste Satellitennavigationssystem der Welt, das mehr als zwei Milliarden Nutzern auf der ganzen Welt dient.

Galileo ist ein globales Satellitennavigationssystem, das vollständig von der Europäischen Union finanziert wird und ihr gehört. Im Rahmen einer europäischen Partnerschaft verwaltet die Europäische Kommission Galileo, während die EUSPA (EU-Agentur für das Weltraumprogramm) den Betrieb von Galileo und die Bereitstellung von Diensten beaufsichtigt und die ESA als Design-Behörde die Entwicklung des Systems, die Beschaffung der Satelliten und des Bodensegments überwacht.

Die Spaceopal GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der DLR GfR mbH und der Telespazio S.p.a., erhielt von der EUSPA den Galileo Service Operator Vertrag, der unter anderem den Betrieb der Galileo Kontrollzentren beinhaltet.

„Galileo“ ist als Marke in der Datenbank des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum eingetragen (Nr. 002742237).

Bildquelle: arianespace YouTube  https://youtu.be/eKCp5gOSo84

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